III. Die Marken


erstellt: 03.04.1999, E-mail Bernd Blömer, Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Dank an Marianne Kessler für die Übersetzung (Thanks to Marianne Kessler for making this translation)!

English see below!

Einen wichtigen Gegenstand bildete früher für die Bauernhöfe die Berechtigung in der Mark, so daß man dieselben nach dem Grade ihrer Berechtigung in ganze, halbe usw. Erben einzuteilen pflegte. Die Mark, d.h. das durch Merkzeichen wie Hügel, Bäche, Steine, Pfähle eingeschlossene Gebiet, war der gemeinsame Besitz einer größeren oder kleineren Gemeinheit, sei es Stadt, Dorf oder Bauerschaft. Im Mittelalter waren die Marken sehr ausgedehnt, lösten sich aber allmählich in eine Anzahl kleiner Marken auf. Diejenigen welche zu einer Mark berechtigt waren, hießen Markgenossen. Über Streitigkeiten in der Mark, über Weidegerechtigkeit, Plaggenmatt und Suddenstich, über Verkauf und Veräußerung von Markengrundstücken und Zulassung neuer Anbauer oder Brinksitzer entschied das Markengericht, das auch Holtgericht, am häufigsten Holtink (Holzgericht) genannt wurde. Doch konnten die Markgenossen nicht  allein entscheiden. Nach altem Rechtsgrundsatz war der König der oberste Lehnsherr allen Grundes und Bodens. An des Königs Stelle hatten sich mit der Zeit die Landesherrn eingedrängt. Da sie außerdem durch ihre Domänen und eigenhörigen Stellen in den meisten Marken den größten Grundbesitz hatten, so betrachteten sie sich als Markberechtigte im hervorragenden Maße. So konnte kein Höltink (Holtink) abgehalten werden ohne den Landesherrn, welcher darin durch seinen Stellvertreter den Vorsitz führte. So kam es, daß in fast allen Marken der Landesherr, im Amte Vechta der Bischof von Münster für den münsterschen Teil, der Bischof von Osnabrück für den osnabrückschen Teil, das Markenrichteramt ausübte. Nur in einigen wenigen Marken war letzteres an andere Herren übertragen. In der Mark Vechta hatten der Stadtmagistrat die markenrichterliche Jurisdiktion, in der Herrlichkeit Dinklage (Gemeinde Dinklage und Bauerchaft Brockdorf) seit 1677 die Familie von Galen. In der großen Deesberger Mark, die sich über die Gemeinden Damme, Holdorf, Neuenkirchen, Bauerschaft Grönloh (Kirchspiel Badbergen), Dreele (Kirchspiel Gehrde), Hastrup (Kirchspiel Bersenbrück) und Schwege (Kirchspiel Hunteburg) erstreckte, war in früherer Zeit der Kolon Meyer zu Bokern Oberholzgraf (Markenrichteramt). Die Oberholzgrafschaft wurde ihm aber von seinem Gutsherrn, dem Bischofe von Osnabrück, entzogen und den Beamten zu Vörden zugelegt, dafür aber die Unterholzgrafschaft und Wroge bei bestimmten Einkünften belassen. Die Holzgerichtsbarkeit über den Dagersloh, einen großen zwischen den Bauerschaften Südlohne und Ehrendorf gelegenen, jetzt verschwundenen Waldbezirk, in dem 1585 die Bauerschaft Mühlen, der nördliche Teil der Bauerschaft Holthausen (Gemeinde Steinfeld), die Bauerschaft Ehrendorf, der größte Teil der Bauerschaft Südlohne und der Pfarrhof in Lohne mit bestimmten Wahren (Markberechtigung) berechtigt war, war seit 1424 an andere Herren verpfändet, zuletzt and die Besitzer des Gutes Ihorst. In der Goldenstedter und Einer Mark stritten sich der Bischof von Münster und der Graf von Diepholz um die Markengerichtsbarkeit, und wurde diese von beiden Teilen ausgeübt. In der Lutter Mark beanspruchte 1687 die Familie von Lutten die Holzgerichtsbarkeit, wurde aber im Prozesse zurückgewiesen. In allen anderen Marken des Amts ließ der Bischof von Münster durch seine Beamten unbestritten die Markengerichtsbarkeit ausüben. Der Markenrichter zog für seine Dienste ein Drittel der Schüttgelder und Markalbrüche und bei Veräußerungen und Zuschlägen als Entschädigung für den Wegfall dieser Gebühren ein Drittel des Wertes des Grundes. Mit der Zeit ging man dazu über, bei Teilungen ein Drittel vom Grund und Boden selbst zu verlangen. Als die münstersche Regierung im 18. Jahrhundert die wüsten Sanddistrikte im Amte Cloppenburg in Zuschlag bringen und aufforsten wollte, stellte sie es 1771 dem Markenrichter anheim, die Entschädigung in einem Drittel des zu besäenden Grundes zu nehmen. Später kam das Verfahren auch bei anderen Teilungen in Anwendung konnte aber im Amte Vechta erst in oldenburgischer Zeit seit 1803 nach Auflösung des einflußreichen Vechtaer Burgmannskollegiums, das immer gegen eine Ziehung der sogenannten Teria in natura protestiert hatte, durchgeführt werden. Anweisungen aus der Mark haben schon im Mittelalter stattgefunden. So sind die Ortschaften Dümmerlohausen und Hüde in der Gemeinde Damme, Fladderlohausen in der Gemeinde Holdorf, die Köttereien in Südlohne aus Markenanweisungen hervorgegangen. In der Neuzeit geschahen die ersten Anweisungen größeren Umfangs zur Zeit der Wiedertäuferunruhen (1534, 1535), als dem Lande durch die Belagerung der Stadt Münster große Kosten verursacht wurden, zu deren Deckung Grundstücke aus den Gemeinheiten verkauft wurden. Sie wiederholten sich zur Zeit der spanischen Einfälle (um 1600) und nach dem 7 jährigen Kriege. Neubauer, welche auf Markengründen ein Haus bauten, mußten jährlich an die Regierung ein Huhn, das sogenannte Rauchhuhn, prästieren, waren jedoch nach einer Verfügung vom Jahre 1772 für die ersten 6 Jahre frei. Im Jahre 1806 wurden von der oldenburgischen Regierung die Grundsätze festgesetzt, nach welchen die Teilung der Marken zu erfolgen hatte. 1907 waren alle Marken im Amte Vechta bis auf einen kleinen Rest (Holthausen und Wulfenau) geteilt. Die Bauernhöfe haben durch die Aufteilung derselben bedeutend an Umfang gewonnen. Aufgabe der Kolonen ist, die neuen Gründe in geeigneter Weise in Kultur zu bringen. Schwierigkeiten bietet an manchen Stellen der schwarzbraune Urboden, der sich unter der Oberfläche befindet und keine Feuchtigkeit durchläßt. Der Staat hat die ihm zugefallene Tertia zum Teil an Neubauer veräußert, zum Teil aufforsten lassen.

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English

From early on, the right to control of the common land (Mark) was an important subject to owners of the farmsteads, so much so, that the right was divided according to the whole, half etc. inheritance. The common land (Mark) (land enclosed by markers, such as, knolls, brooks, stones, or posts) was the common property of a larger or smaller community, be it a town, village or a farm collective. The common land (Mark) were wide spread in the Middle Ages but slowly dissolved into a number of common lands (Marken). Those entitled to a share of the common land (Mark) were called common land members (Markgenossen). The common land tribunal (Markengericht), also called "Holtgericht", "Holtink", "Holzgericht" (Forest Court) was given jurisdiction over disputes in the common land, such as those involving pasture equity, sod farming and sod cutting; sales and alterations of common land (Mark) properties, and the issue granting permission for new settlers or cottagers. But the common land members (Markgenossen) could not decide on their own. According to the ancient maxim: "The king was the ultimate authority over all land and soil". Wresting the power from the king, the landed gentry pushed their way into authority. Since they already were the biggest landowners through their holdings in the majority of the common lands (Marken), they considered themselves to be entitled to their rightful share. Which meant that no Forest Court could meet without the presence of the land lords, particularly when the chairman of the Court was a representative of the group of landlords. So it came about that the chairmen of the common land (Mark) judicature (Markengericht) in almost all common lands (Marken) were the land lords; in the district of Vechta, the Bishop of Muenster for the Muenster part, the Bishop of Osnabrueck for the Osnabrueck part. Only in a few individual common lands was that authority given over to others. In the Vechta's common land (Mark), the town magistrate held the position of common land judicature (Markengericht), in the jurisdiction Dinklage (district Dinklage and „Bauerschaft„ Brockdorf) the Family von Galen occupied the post since 1677. In earlier times, the Farmer (Colon) Meyer from Bokern was the Upper Forest Count of the large Deesberger common land (Mark), which covered the districts of Damme, Holdorf, Neuenkirchen, the „Bauerschaft„ of Groenloh (parish Badbergen), Dreele (parish Geherde), Hastrup (parish Bersenbrueck) and Schwege (parish Hunteburg). But he was stripped of authority by his lord of the manor, the Bishop of Osnabrueck and it was transferred to the public officials in Voerden. In exchange, and to ensure a certain income, the lower forest county was given and the right to control and regulate weights and measures at market (Wroge). The forest jurisdiction over the Dagersloh, a large, no longer existing forest area situated between the „Bauerschaft„ Suedlohne and Ehrendorf, was last conferred upon the owner of the Ihost Estate (Gut Ihorst). The Dagersloh in 1585 consisted of the farm collective Muehlen, the northern part of farm collective Holthausen (municipality Steinfeld), the farm collective Ehrendorf, the larger part of the farm collective Suedlohne and the rectory in Lohne. In the Goldenstedter and Einer common land (Marken), the Bishop of Muenster and the Count of Diepholz were fighting over the jurisdiction and both attempted to exercise the authority. In the Lutter common land (Mark), the family of Lutten (Familie von Lutten) lay claim to the forest jurisdiction in 1687 but they lost their claim in the proceedings. The Bishop of Muenster, through his representative, exercised the common land jurisdiction unchallenged in all other common lands (Mark) of the district. The common land judge (Markenrichter) earned for his service a third of the feeding - and impound fees (a fee charged for found animals) and of fines and by sale an extra charges as the reimbursement for the lost income, and a third of the value of the land. In time, the authorities would request a third of the land at the time of distribution themselves. When in the 18th. century, the Muenster Government wanted to increase the value and refforest the barren Sanddistrict in the Clopperburg district, they requested hat the common land judges (Markenrichter) accept a third of the land which was to be seeded as compensation. This practice was later used in other distributions as well except in the district of Vechta. Here it was not introduced until Oldenburger times in 1803 after the influential Vechta's council of Castle Stewards (Burgmannskollegium) was dissolved, since they always protested against the drawing of a so called „Teria in Natura". Evictions from the common land (Mark) occurred already in the Middle Ages. As a result of evictions from the common lands (Mark), the townships Duemmerlohausen and Huede in the parish Damme, and Fladderlohausen in the Parish Holdorf, and the cottages (Köttereien) in Suedlohne developed. Evictions in greater numbers happened at the time of the Anabaptist upheaval (Wiedertäuferunruhen) (1534, 1535) as the land was assessed great expenses due to the occupation of the city Muenster and community properties had to be sold to cover the costs. And again during the time of the Spanish attacks (circa 1600) and after the 7 year war (7 jähriger Krieg). Newcomers who built houses ] within the common area were required to present the government with a chicken annually, the so-called "smoke chicken" ("Rauchhuhn"); but were free of such charges for the first six years according to a decree issued in the year 1772. In the year 1806, the Oldenburg Government established guidelines for the distributions. All common lands (Marken) in the Vechta district were divided except for a small part (Holthausen and Wulfenau). The farms have increased greatly in size because of these distributions; the order for the peasants was to prepare the new land for cultivation. Problems arose in several places due to the presence of the black brown subsoil which prevents moisture from passing through. The State has sold some of its part of Tertia to newcomers and other parts were reforrested.

© 1999

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