V. Die Erbesqualität


erstellt: 24.04.1999, E-mail Bernd Blömer, Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Dank an Patti Brundirks für die Hilfe bei der Übersetzung (Thanks to Patti Brundirks for help with the translation)

English see below

Von alters her gab es nach dem Umfange und nach der Berechtigung in der Mark verschiedene Klassen von Bauernhöfen. Es gab "gehele" (ganze) Erben, halbe Erben, Kotten. Schon Tacitus berichtet, daß man die Äcker unterschiedlich nach der Geltung in der Gesellschaft geteilt habe. Sicher waren schon zur Zeit Karls des Grossen geteilte Bauernstellen vorhanden, halbe Erben und Kotten. Im spaeteren Mittelalter sind viele Stellen geteilt worden. Teilungen fanden auch noch in der Neuzeit statt trotz des Verbotes der Behörden, wie im Amte Cloppenburg, so auch im Amte Vechta, namentlich in den Gemeinden Twistringen und Steinfeld. Man wuerde aber zu weit gehen, wenn man bei der Bezeichnung "halbe Erbe" immer an eine Teilung denken wollte. Es gibt sehr viele halberbige Einzelgehoefte, an denen nie eine Teilung vollzogen sein kann. Ebenso verfehlt wäre es, bei Halberben einen Umfang anzunehmen, der nur der Haelfte des Umfanges der Ganzerben entspräche. Der Unterschied ist vielfach nur ein sehr geringer. Wahrscheinlich sind die Halberben jüngeren Ursprungs als die Ganzerben, und aus diesem Umstande ist auch wohl die geringere Berechtigung in der "Mark" herzuleiten. Noch im Jahre 1746 wurden im Kirchspiel Garrel, wo sich die alten Verhältnisse noch am längsten erhalten haben, 2 "Halbkoetter" zu "Halberben", 6 "Brinksitzer" zu 1/3 Erben, 18 Anbauer zu 1/6 Erben angesetzt und dabei bestimmt, wie viel Vieh ein jeder in die Mark zu treien berechtigt war, und in welchem Masse er zu den Dorflasten herangezogen werden konnte.

Mit der Zeit bildeten sich folgende Abstufungen in der Erbesqualität im münsterschen Amte Vechta aus: Ganze einpflügige ("worauf ein Pflug geht") Erbe, halbe einpflügige Erbe, Erbkötter oder Pferdekötter, Gemeine Kötter, Brinksitzer, Häusler oder Gartner (im Amte Cloppenburg Brinkligger). Im Osnabrückschen unterschied man Vollerben, Halberben, Erbkötter und Markkötter, im Diepholzschen Vollmeier, Halbmeier, Kötter und Feuersteller. Häusler und Feuersteller hatten keine Berechtigung in der Mark. Beim Beginn der oldenburgischen Zeit begann man die Erbesqualität lediglich mit Rücksicht auf die Markenberechtigung von neuem festzustellen. Manche Halberben münsterscher Zeit rückten in die Klasse der Vollerben, erhielten damit gleichen Anteil an der Mark, verpflichteten sich aber auch zu größeren Spanndienstleistungen. Es kam aber auch vor, wie z.B. in Lüsche, dass Bauern, die sich in eine höhere Erbesqualität hatten aufnehmen lassen, wegen der vermehrten Spanndienstpflichten in die niedrige Klasse zurücktraten. Nach Teilung der Marken und Aufhebung der Geschlossenheit der Höfe hat die Erbesqualität jegliche Bedeutung verloren.

English:

Since olden days, according to size and entitlement in the common land ("Mark"), there were different classes of farms. There were wholly inherited farms ("gehele", ganze Erben, Ganzerben), half-shares (halbe Erben) and cottages (Kotten). Already Tacitus stated that holdings were divided up differently according to one's standing in society, Certainly in Charles, the Great's time there existed divided farms, half-inheritances (halbe Erben) and cottages (Kotten). In the later Middle Ages, many properties were split up. Divisions took place even in modern times despite official prohibition as in the Cloppenburg administration, as well as in Vechta, namely in the Municipalities of Twistringen and Steinfeld. It would be going too far to think that the term "half-inheritance" ("halbe Erbe") always denotes a division. There are many "half-inheritance" (halberbige) farms which could never have been subject to a splitting up. It would also be incorrect to assume that the area of a half-inheritance (Halberben) is half the area of a full inheritance (Ganzerbe). The difference is very often only slight. Most likely, half-inheritors (Halberben) are of more recent origin than full-inheritors (Ganzerben) and the lesser entitlement in the common land (Mark) can probably be traced back to this. Still in 1746 in the parish of Garrel, where these conditions prevailed the longest, there were 2 cottager (Halbkötter) as "half-inheritors" (Halberben), six "Brinksitzer" as 1/3 inheritors, 18 sharecroppers (Anbauer) as 1/6 inheritors and were given rights as to how many cattle each was entitled to graze in the common land (Mark) and the extent to which he could be called on to pay tax to the village.

In time the following social levels were formed in the Muenster district of Vechta: whole farms (ganze einpflügige Erbe), half farms (halbe einpflügige Erbe),small farms or horse farms (Erbkötter or Pferdekötter), farms (Gemeine Kötter),small farms at the edge of the village near a hill (Brinksitzer),day laborer or gardener (Häusler or Gärtner) in the district of Cloppenburg Brinkligger. In Osnabrück one differentiates the levels as; full farms (Vollerben), half farms (Halberben), cottagers (Erbkötter), county farms, cottages in the common land (Mark) (Markkötter). In Diepholz as full farms (Vollmeier), half farms (Halbmeier), cottager ( Kötter), and Feurersteller. Day laborers (Häusler) and Feuersteller had no basic rights in the county. At the beginning of the Oldenburg time, the social levels were merely formed with the consideration of the rights of the people of the common (Mark). Many Halberben during the munster time moved up into the class of the Vollerben and received the same rights in the common land (Mark), thus committing themselves to doing what ever work necessary. For example, in Lüsche it happened that the farmers who had been allowed to move up to the higher social level decreased, because of the increase of duties in the lower class. After the break up of the common land (Mark) and the removal of the unity of farms, the different social levels lost their meaning.

© 1999

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